Solarpunk I

Bedingungsloses Grundeinkommen und Geld von der Regierung, wenn man Pflanzen in der Wohnung hat – das sind Elemente, die die Gesellschaft in Marie Graßhoffs Buch „Neon Birds“ prägen. Das Buch ist das erste einer Trilogie, die zum Genre „Solarpunk“ gehört, auch wenn Frau Graßhoff sich auf Twitter gegen andere Einschätzungen wehren muss.

Solarpunk ist offensichtlich aber mehr als ein Genre der Literatur. Zusammen mit vielen sieht Alessandra Reß in ihrem Blog FragmentAnsichten eine gesellschaftliche Bewegung (kurz z.B. hier: https://fragmentansichten.com/2021/08/30/solarpunk-warum-gerade-jetzt/. Der Unterschied zur ökologischen Bewegung, der mich zuerst interessiert hat, war die Rolle der Technik, denn damit konnte ich mich zuerst am wenigsten anfreunden. In den letzten Jahren war mein idealer Lebensentwurf eher einer, der von Technik und Künstlichen weggeht. Deshalb habe ich im Garten mit der Ruth-Stout-Methode rumprobiert – der Humus und Nährstoffaufbau ist damit wohl nachhaltiger und natürlicher als mit Dünger, der Wasserverbrauch im Sommer ist geringer usw., aber das gehört nicht hierher. Den Plan, Kräuter mit einer solarbetriebenen Berieselungsanlage zu wässern, habe ich vorerst aufgegeben.

Es gibt viele gute Darstellungen davon, was Solarpunk ist. Ich will das betrachten, was mich für meine Fragestellung interessiert, nämlich das Verhältnis zwischen dem Menschen und der Welt. Wie immer schreibe ich dabei als Laie. Als einer, der liest und sich Gedanken macht. Ich bin kein Spezialist auf dem Gebiet, erfahre aber gerne etwas Neues.

Solarpunk ist irgendwie öko, aber mit Technik. Öko nicht in dem Sinne, in dem die Öko-Bewegung der Siebzigerjahre wahrgenommen wird, mit alternativem Lebensstil, biologisch-dynamischem Müsli und Batikklamotten. Aber doch so öko, dass es um nachhaltige Energiewirtschaft geht und Begrünung von Lebensräumen. Verkürzt gesagt.

Auf reddit waren die Kommentare unter einem Bild sehr gemischt. Das Bild zeigt einen Berghang und einen Grat in China (Taihang, https://www.reddit.com/r/solarpunk/comments/pjqjxc/the_taihang_solar_farm_in_china_is_ ) voller Solarzellen. Es sieht massig aus, irgendwie so, als hätte der Berg eine neue, glitzernde Oberfläche bekommen. Dort wird sicher viel Strom hergestellt, der, so die begeisterten Kommentatoren, CO2-neutral in die Netze kommt. Ich habe das Gefühl, dass das der Solarpunk-Anteil der Kommentatoren ist: Eine Technik wird genutzt, um „sauberen“ Strom herzustellen. Ein ähnliches Bild entsteht tatsächlich beim Lesen von Graßhoffs Roman „Neon Birds“. Technik ist die Lösung für die Bedürfnisse der wachsenden Menschheit – das Bedürfnis nach Strom und das Bedürfnis nach weniger CO2 und Feinstaub in der Atmosphäre. Es sieht auch noch modern aus.

Der andere Teil der Kommentatoren ist weniger begeistert, und zwar aus verschiedenen Gründen. Der eine ist, dass Solarzellen ja den Strom ohne CO2 herstellen, aber in der eigenen Herstellung wenig umweltfreundlich sind. There’s no such thing as a free lunch. Ein anderer Grund ist, dass hier ein Ökosystem durch die massive Beschattung zumindest verändert wird, wenn nicht sogar zerstört. Ob das vorher ein phantastisches Ökosystem war und was das bedeuten könnte, „phantastisches Ökosystem“, ist eine andere Frage.

Interessant finde ich diese Betrachtung: Wie soll und wie kann der Mensch zur Natur stehen. Die Ingenieurslösung (Solarzellen auf dem Berg) findet das Ideal für die menschlichen Bedürfnisse (viel Strom, wenig CO2). Der Natur aber ihr „Recht“ zu lassen, müsste aber bedeuten, dass Eingriffe in Ökosysteme behutsamer sind als das Zubauen einer riesigen Fläche. Ich will nicht sagen, dass Solarpunk die erste Lösung bevorzugt, ganz im Gegenteil vielleicht, aber dazu später. Der Gedanke, dass Technik die Bestrebungen, Natur möglichst zu erhalten, unterstützen kann, muss aber immer einer Prüfung unterzogen werden. Für mich persönlich ist es ein hohes Ziel, die Bedürfnisse von Mensch und Natur im Gleichgewicht zu halten. Wie auch immer dieses Gleichgewicht aussieht. Deswegen habe ich diesen Sommer vorerst von der Technik Abstand genommen. Warum solarbetriebene Wässerung, wenn es auch andere Systeme ganz ohne Strom gibt.

Veröffentlicht von woodenbreath

Bard apprentice with the NOD

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